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Wenn Babys es besonders eilig haben

Wie sich eine Frühgeburt verhindern lässt

Deutschland hat eine der höchsten Frühgeburtenraten in Europa. Die medizinische Versorgung und damit die Überlebenschancen haben sich in den letzten Jahren verbessert. Oberstes Ziel ist es dennoch immer, eine Frühgeburt zu verhindern.

Laut Definition sind Frühchen Babys, die vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. In Deutschland sind davon rund neun Prozent der Babys betroffen. Zehn Prozent dieser Frühchen werden sogar vor der 32. Schwangerschaftswoche oder mit weniger als 1.500 Gramm geboren – diese Kinder sind besonders gefährdet. Dank des medizinischen Fortschritts sind die Chancen, auch ohne Spätfolgen zu überleben, für die meisten Frühchen aber gut. Wichtigstes Ziel der Ärzte ist aber immer, eine Frühgeburt zu verhindern.

Warum machen sich einige Baby zu früh auf den Weg?

Ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt hat eine Frau, wenn sie unter 18 oder über 35 Jahre alt ist, bereits eine Fehl- oder Frühgeburt hatte, Mehrlinge erwartet, körperlich oder seelisch besonders belastet ist, raucht oder an einer chronischen Krankheit wie zum Beispiel Asthma oder Diabetes leidet. Doch: Frühgeburten kommen auch bei Frauen vor, die kein erkennbares Risiko hatten, so Prof. Erich Saling vom Institut für Perinatale Medizin in Berlin. In rund 40 Prozent der Fälle ist unklar, warum das Baby zu früh auf die Welt gekommen ist. Häufig ist eine Kombination mehrerer Faktoren dafür verantwortlich.

Als häufigste Ursache gelten Infektionen im Genitalbereich, die zur Gebärmutter hochsteigen – zum Beispiel Harnwegsinfektionen oder Chlamydien, das sind sexuell übertragbare Bakterien. Auch Stress und Überlastung gehören zu den häufigsten Auslösern einer Fehlgeburt.

  • Etwa 20 Prozent der Frauen haben eine Fehlbesiedelung der Scheide mit so genannten anaeroben Bakterien (bakterielle Vaginose). Diese produzieren Wehen auslösende Substanzen (Prostaglandine).
  • Ein beträchtliches Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt haben Raucherinnen: Die Inhaltsstoffe des Tabakrauchs beeinträchtigen die Durchblutung der Gebärmutter und damit die Versorgung des Ungeborenen.
  • Stress kann vorzeitige Wehen auslösen. Daher sollte der Rat von Ärzten, sich zu schonen, immer ernst genommen werden.
  • Eine Erkrankung oder Fehlbildung des Kindes kann ebenfalls Auslöser sein.
  • Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaften erreichen nur selten volle 40 Wochen.

Manchmal wird die Geburt auch bewusst vorzeitig eingeleitet. Dann nämlich, wenn die Mutter an einer lebensbedrohlichen Krankheit leidet. Oder wenn das Baby nicht mehr ausreichend im Mutterleib versorgt wird.

Was deutet auf eine Frühgeburt hin?

Es gibt einige Signale, die auf eine drohende Frühgeburt hinweisen können: Dazu gehören Blutungen, Bauchschmerzen, anhaltender Durchfall oder Fieber. Manche Frauen spüren ein Ziehen im unteren Teil des Rückens. Etwa ab dem fünften Schwangerschaftsmonat sind solche Übungswehen völlig normal. Wenn die Kontraktionen aber im Abstand von fünf bis zehn Minuten kommen, jeweils mehr als 30 Sekunden dauern und länger als eine Stunde anhalten, handelt es sich um vorzeitige Wehen. All diese Hinweise sollten für Frauen immer Anlass sein, sich an ihren Gynäkologen zu wenden, bzw. eine Klinik aufzusuchen.

Was tun Mediziner, um eine Frühgeburt zu vermeiden?

Solange die Fruchtblase nicht geplatzt ist, wird man in der Klinik versuchen, eine Frühgeburt zu verhindern. Lassen die Wehen trotz strikter Bettruhe nicht nach, bekommt die Schwangere Magnesium oder Medikamente, die die Gebärmutter "beruhigen". Zeigt das alles keine Wirkung, entscheiden sich die Ärzte meist für Wehenhemmende Mittel. Sobald die Fruchtblase platzt, lässt sich eine Frühgeburt nicht mehr aufhalten. In manchen Fällen bekommt die Schwangere dann Kortison gespritzt, um die Lungenreifung des Ungeborenen zu beschleunigen. Denn: Vor der 34. Schwangerschaftswoche ist die Lungenreifung des Kindes noch nicht abgeschlossen, sodass Frühgeborene häufig unterschiedlich ausgeprägte Schwierigkeiten bei der Atmung bekommen. Der Kopf bei kleinen Frühstartern ist noch sehr weich. Deshalb entscheiden sich Ärzte bei der Geburt häufig für einen Dammschnitt, der das Kind vor großen Druckveränderungen im Geburtskanal weitgehend schützt.

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Was Frauen selber tun können, um eine Fehlgeburt zu verhindern

Aufsteigende Vaginalinfektionen können zu vorzeitigen Wehen, einem Blasensprung oder Veränderungen des Muttermundes führen. Frühzeitig erkannt, lassen sie sich aber gut behandeln. Anzeichen sind zum Beispiel vermehrter Ausfluss, Juckreiz oder Brennen in der Scheide sowie ein hoher pH-Wert (damit wird der Säuregehalt angegeben) in der Scheide. Normalerweise liegt er zwischen 4,0 und 4,4. Steigt dieser Wert, sollten Schwangere unbedingt ihren Arzt informieren. Mit einem Testhandschuh aus der Apotheke (rezeptfrei, aber auf eigene Kosten) können werdende Mütter ihren pH-Wert einfach selbst messen. Am Zeigefinger des Handschuhs befindet sich ein Testpapier, das sich nach dem Kontakt mit der Scheidenflüssigkeit verfärbt. Anhand der mitgelieferten Farbskala lässt sich der pH-Wert ablesen. Damit können Schwangere selbstständig und auch zwischen den Vorsorgeterminen ihren pH-Wert überprüfen und, wenn nötig, rechtzeitig zum Frauenarzt gehen. Prof. Saling rät, zweimal pro Woche zu messen. Je früher die Vorboten von Infektionen – Milieustörungen in der Scheide – erkannt werden, umso sicherer lassen sich Frühgeburten vermeiden.

Welche Chancen haben Frühchen?

Ab der 24. Schwangerschaftswoche hat das Baby zunehmend gute Chancen zu überleben. Ab der 28. Woche liegen die Überlebenschancen bereits bei 95 Prozent. Dank ausgeklügelter intensivmedizinischer Betreuung kommen immer leichtere, unreifere Frühgeborene durch. Die meisten erhalten gute Prognosen – viele Eltern nehmen gesunde Kinder mit nach Hause. Gleich nach der Geburt wird das frühgeborene Kind auf die Intensivstation gebracht und in einen Brutkasten gelegt. Hier werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant gehalten. Die Atmung wird überwacht, falls erforderlich wird Sauerstoff zugeführt. Viele Frühchen bis zur 32. Schwangerschaftswoche können die erforderliche Nahrungsmenge noch nicht aufnehmen. Daher erhalten sie zunächst eine Infusion mit Nährstoffen. Sobald möglich, sollten Mütter beginnen, ihr Baby zu stillen. Denn Muttermilch enthält wichtige Nährstoffe in erhöhter Konzentration.

"Känguruen" hilft dem Kind

Sonden, Schläuche und Krankenhausatmosphäre statt kuscheliger Kinderwiege in den eigenen vier Wänden. Dazu die ständige Angst vor Komplikationen. Die Sorge, ob es das kleine Neugeborene wirklich schafft und ob es gesund aufwachsen wird. Eine Frühgeburt ist für alle auch eine große seelische Belastung – für das Baby ebenso wie für die Eltern. Gerade deshalb ist neben der intensivmedizinischen Betreuung körperliche Nähe für die junge Familie enorm wichtig.

Viele Kliniken bemühen sich deshalb, den Körperkontakt zwischen Eltern und Kind zu fördern. Zum Beispiel mit dem "Känguruen": Das Neugeborene wird – nur mit einer Windel bekleidet – für einige Stunden pro Tag auf die Brust der Mutter oder des Vaters gelegt. Dieser innige Kontakt wirkt beruhigend auf das Baby – sein Herzschlag und seine Atmung werden regelmäßiger. Zudem wird versucht, die Eltern  in die Pflege des Babys einzubinden. In manchen Kliniken können sie ihm Milch geben. Ist es zum Trinken zu schwach, bekommt das Kind sie per Sonde.

Da Eltern nicht immer anwesend sein können, haben sich Ärzte und Musiktherapeuten etwas einfallen lassen, um Trennungen zu überbrücken: Sie nehmen die Stimme der Mutter und des Vaters  auf, während sie mit  ihrem Kind sprechen, ihm vorlesen oder singen. Diese Aufnahme kann dann dem Baby vorgespielt werden.

Hier gibt's Hilfe

Selbsthilfegruppen geben den Eltern Frühgeborener Rückhalt. Adressen nennt der Bundesverband "Das frühgeborene Kind", Kurhessenstr. 5, 60431 Frankfurt/Main, Tel. 0 81 31/90 85 59.

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